
Häufig gestelle Fragen
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigste Fragen
rund um neuartige Technologien und Finanzhilfen.
Was ist das Klimaabkommen von Paris?
Im Jahr 2015 wurde das Pariser Klimaabkommen als völkerrechtlicher Vertrag mit dem Ziel, die Erderwärmung auf möglichst 1.5°C und deutlich unter 2°C im Vergleich zum vorindustriellen Werten zu begrenzen, ins Leben gerufen. Das Pariser Klimaabkommen verpflichtet die Vertragsstaaten zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen mit dem Ziel, Netto-Null Treibhausgasemissionen bis 2050 zu erreichen. Ausserdem wurde festgelegt, dass Vertragsstaaten unter Artikel 6 Emissionszertifikate austauschen können. Dieser Prozess ist bis heute noch nicht abgeschlossen.
Die Schweiz hat sich als Vertragsstaat dazu verpflichtet, bis ins Jahr 2030 50% ihrer Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 zu senken und Netto-Null Treibhausgasemissionen bis 2050 zu erreichen.
Was ist das Schweizer CO2-Gesetz?
Das CO2-Gesetz hat zum Ziel, die Schweizer Treibhausgasemissionen bis 2030 zu halbieren. Finanzielle Anreize, Klimaschutzinvestitionen und technologischer Fortschritt werden zur Erreichung dieses Ziels genutzt.
Das CO2-Gesetz beinhaltet Lenkabgaben deren Erlöse in den nationalen Klimafonds und über die Krankenkassen an die Bevölkerung rückverteilt werden. Ein Drittel der Gelder fliesst in den nationalen Klimafonds, welcher den Heizungsersatz, erneuerbare Energien sowie Emissionsreduktionstechnologien fördern soll.
Alle Unternehmen können sich von der CO2-Abgabe befreien lassen, wenn sie sich zur CO2-Reduktion verpflichten, um bis 2030 ihre Emissionen zu halbieren und bis 2050 Netto-Null zu erreichen, was sich mit den Zielen des Klimaschutz und Innovationsgesetztes (KIG) deckt.
Was bedeutet Netto-Null?
Netto-Null bedeutet, dass der Atmosphäre gleich viel CO2 entzogen wird, wie ausgestossen wird. Nachdem tiefgründige Emissionsreduktionen umgesetzt wurden, bleiben schwer vermeidbare Restemissionen zurück. Die Treibhausgasbilanz ist noch positiv und noch nicht neutral. Um Netto-Null zu erreichen, müssen Negativemissionstechnologien (NETs) eingesetzt werden, um in der Bilanz Null effektive Emissionen zu erreichen.
Die Schweiz möchte bis spätestens im Jahr 2050 Netto-Null CO2-Emissionen erreichen. Ein Grossteil dieses Ziels wird durch die Reduktion von Emissionen erreicht. Es steht aber bereits fest, das sogenannte schwer vermeidbare Emissionen übrig bleiben werden, die mit Negativemissionstechnologien (NETs) kompensiert werden müssen.
Um die Vorgaben des Bundes zu erreichen, müssen mindestens die direkt im Unternehmen verursachten Emissionen (Scope 1 – z.b Verbrennung von fossilen Energieträgern für Prozesse) und die indirekt verursachten Emissionen (Scope 2 – z.B Stromverbrauch) Netto-Null im Zieljahr erreichen.
Direkt vor- und nachgelagerte Emissionen (Scope 3, z.B Lieferkette) können ebenfalls miteinbezogen werden und können ebenfalls finanziell unterstützt werden.
Was ist die Science-Based Target initiative (SBTi)?
Die Science-based Target initiative (SBTi) legt ambitionierte, wissenschaftsbasierte Emissionsreduktionsziele für Unternehmen fest. Firmen, die sich für SBTi verpflichten, müssen bei mehr als 40% Scope 3 Emissionen diese ebenfalls bis zum Zieljahr auf Netto-Null bringen.
Der Fokus liegt auf tatsächlichen Emissionsreduktionen innerhalb des Unternehmens, wo Reduktionszertifikate (auch bekannt als Klimaschutzprojekte oder Offsets) wie beim KIG nicht an die Science-Based Targets angerechnet werden können.
Der Netto-Null Standard für Unternehmen ist auf vier Prinzipien aufgebaut
- Schnelle und starke Emissionsreduktionen
- Emissionsreduktionen über die gesamte Wertschöpfungskette, Scope 1,2 und 3. Meist ist ein signifikantes Reduktionsziel von 90% gefordert.
- Kurz- und langfristige Klimaziele
- Wissenschaftsbasierte kurz- und langfristige Ziele müssen gesetzt werden. 50% Reduktion bis 2030 und Netto-Null bis 2050 mit NETs zur Entfernung von Restemissionen.
Netto-Null wird erst erreicht, wenn die langfristigen Ziele erreicht sind.
Langfristige Ziele beinhalten 90% Emissionsreduktion bis 2050 für die meisten Unternehmen. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, darf das Unternehmen unter SBTi Netto-Null beanspruchen.
Empfehlung ausserhalb der Wertschöpfungskette zu investieren
Die Investition in Klimaschutzprojekte ausserhalb der Wertschöpfungskette soll zusätzlich zu tiefgründigen Emissionsreduktionen durchgeführt werden.
SBTi setzt auf permanente NETs zur wissenschaftsbasierten Erreichung von Netto-Null. Technologische NETs wie die beschleunigte Verwitterung, BECCS und DACCS bieten diese Permanenz. Diese NETs werden im KIG gefördert. Durch die Förderung reduzieren sich die Kosten für technologische NETs so weit, dass sie gleich viel wie die günstigeren, aber viel weniger permanenten, naturbasierten NETs wie der Aufforstung und Pflanzenkohle Kosten. Wir empfehlen daher die Erstellung eines NET-Portfolios mit einem Grossteil technologiebasierter NETs, da diese NET-Ansätze signifikant besser skalierbar sind und dadurch in der Zukunft einen grossen Einfluss auf das Weltklima haben können.
Mit wie vielen Restemissionen rechnet die Schweiz bei Netto-Null?
Laut dem Bericht des Bundesrates zu CCS und NETs werden in der Schweiz im Netto-Null Jahr noch 12 Millionen Tonnen CO2 (auch als Megatonnen oder Mt bezeichnet) ausgestossen werden. Diese müssen mittels 5 Mt Carbon Capture und Storage (CCS) an Punktquellen und 2 Mt BECCS in Kehrrichtverbrennungsanlagen (KVAs) sowie 5 Mt insbesondere DACCS im Ausland kompensiert werden. Das inländische CCS/BECCS CO2 muss zudem noch ins Ausland transportiert werden, da in der Schweiz sehr geringe Mengen an CO2-Speicherung möglich sind. DACCS Anlagen werden direkt am Speicherort gebaut und benötigen daher keinen Transport.
Was sind Emissionsreduktionen?
Das Reduzieren von Emissionen vermindert die Menge an CO2, das von Ihrer Firma ausgestossen wird. Ein klassisches Beispiel ist die Verwendung von erneuerbaren Energien. Ausserdem gehört die Substitution von z.B. fossilen Verbrennungsöfen in der Zementproduktion mit Wasserstoffverbrennungsöfen dazu. Des weiteren wird Carbon Capture and Storage (CCS) von CO2 an Punktquellen wie z.B der Abgasanlage einer Kehrrichtverbrennungsanlage dazugerechnet.
Was sind Negativemissionstechnologien (NETs)?
NETs entziehen der Atmosphäre direkt CO2 und speichern es dauerhaft. International ist diese Kategorie von Technologien als Carbon Dioxide Removal (CDR) bekannt. NETs werden zur Entfernung von schwer vermeidbaren Restemissionen gebraucht. Durch die Anwendung von NETs kann die Treibhausgasbilanz parallel mit tiefgründigen Emissionsreduktionen auf Netto-Null gesenkt werden. Nach der Erreichung von Netto-Null werden NETs gebraucht, um Netto-Negative Emissionen zu erzielen.
Negativemissionstechnologien können in naturbasierte (Aufforstung, Pflanzenkohle) und technologische NETs (BECCS, DACCS, Beschleunigte Verwitterung) aufgeteilt werden. Naturbasierte NETs bieten heute grosse Verfügbarkeit, brauchen jedoch signifikante Landfläche, welche besonders in der Schweiz begrenzt ist. Technologische NETs brauchen hingegen wenig Land und sind stark skalierbar. Eine Mischung dieser Ansätze wird bevorzugt, um unter anderem Ökosystemvorteile zu nutzen und gleichzeitig alle NETs zu skalieren, damit diese im Jahr 2050 in genügenden Mengen vorhanden sind, um die Schweizer Klimaziele zu erreichen.
Wer profitiert von den Finanzhilfen des Bundes?
Firmen, die einen Netto-Null-Fahrplan beim Bund einreichen, können ein Gesuch um Finanzhilfe stellen. Geplant sind zwei Termine zur Gesuchseinreichung pro Jahr. Falls keine Finanzhilfen ausgesprochen werden, kann das gleiche Gesuch in der Folgeperiode erneut eingereicht werden.
Warum sollte ein Unternehmen so schnell wie möglich ein Gesuch um Finanzhilfe einreichen?
Die ersten Termine werden am wenigsten Gesuche erhalten, was die Wahrscheinlichkeit für ein erfolgreiches Gesuch signifikant erhöht. Ausserdem müssen die 200 Mio. CHF jährlich aufgebraucht werden. Wenn diese Summe nicht erreicht wird, werden alle eingereichten Gesuche bewilligt. Erst wenn das Gesamtvolumen der Gesuche diesen Betrag übersteigt wird der Bund Kriterien pro Kategorie definieren, um die besten Gesuche zu ermitteln.
Welche NET-Ansätze sind unter dem KIG förderberechtigt?
Das KIG bietet von 2025-2030 jährlich 200 Mio. CHF für neuartige Technologien. Teil davon sind NETs. Da die technologische Reife von Aufforstung und Pflanzenkohle bereits in ausreichendem Masse marktfähig ist, werden nur die technologisch noch unvollständig ausgereiften NETs beschleunigte Verwitterung, BECCS und DACCS gefördert. Ausserdem ist die permanente Speicherung von CO2 in Zement förderberechtigt.
Welche Firmen bieten in der Schweiz NETs in ausreichenden Mengen für Firmen an?
In der Schweiz sind zwei grosse NET-Firmen beheimatet. Zum einen Climeworks, eine Firma die DACCS offeriert, sowie Neustark, welche CO2 permanent in Abbruchbeton speichert.
Climeworks bietet neben ihrem Hauptprodukt DACCS auch alle gängigen NETs in Portfolios an. Climeworks bietet hochqualitative NET-Zertifikate in den Kategorien Aufforstung, Pflanzenkohle, beschleunigte Verwitterung, BECCS, und DACCS an.
Neustark speichert CO2 von Biogasanlagen in Abbruchbeton. Dadurch wird das CO2 permanent im Baustoff gebunden und erzielt negative Emissionen.
Was ist der Unterschied zwischen CCS, CCU, BECCS und DACCS?
Carbon Capture and Utilization (CCU) nutzt eingefangenes CO2 zur Nutzung z.B. in synthetischen Treibstoffen, welche fossile Treibstoffe ersetzen. Bei der Verbrennung der Treibstoffe entweicht das CO2 in die Atmosphäre, daher ist CCU nur eine Reduktion der Emissionen, die im Vergleich zur Verbrennung von fossilen Treibstoffen entsteht.
Carbon Capture and Storage an Punktquellen wie z.B. an der Abgasanlage einer Stahlfabrik reduziert das in die Atmosphäre entweichende CO2 um ca. 90% (dies beinhaltet die Emissionen über den Lebenszyklus der gesamten Stahlfabrik nicht). Die restlichen mindestens 10% müssen mit NETs kompensiert werden, um Netto-Null zu erreichen. BECCS ist die Verbrennung von Biomasse mit anschliessender Anwendung von CCS. Da die Biomasse CO2 aus der Luft entfernt und dieses bei der Verbrennung eingefangen und permanent im Untergrund gespeichert hat, zählt BECCS als NET.
DACCS entnimmt der Umgebungsluft bereits freigesetztes CO2 und speichert es permanent. Da die CO2-Bilanz in der Atmosphäre dadurch sinkt, entstehen im DACCS Prozess negative Emissionen.
Wieso kann DACCS international CO2 entfernen und in der Schweiz anrechnen lassen?
Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist weltweit gleich. Wenn z.B. in Neuseeland CO2 aus der Atmosphäre entfernt wird, gleicht sich die globale CO2-Menge an. Das bedeutet, dass man überall auf der Welt CO2 entfernen kann und der gleiche Effekt erzielt wird, wie wenn man das CO2 in der Schweiz entfernen würde.
Das durch den DACCS-Prozess eingefangene und gespeicherte CO2 kann exakt gemessen werden. Die Speicherung von CO2 in tiefen Gesteinsformationen über 2000 Meter unter der Erdoberfläche in sicheren Speichern bewirkt, dass kein CO2 entweichen kann.
Durch die weltweit verbundene CO2-Menge, die präzise Messbarkeit und permanente Speicherung ermöglicht DACCS, die gleiche Sicherheit in der gespeicherten Menge CO2 im Ausland zu erzielen, wie wenn man nach der stringenten Schweizer Gesetzgebung CO2 im Inland aus der Atmosphäre entfernen würde. Daher ist DACCS im Ausland zur Generierung von NET-Zertifikaten erlaubt.
